Leitung des Forums: Günter Wassermann Wuppertaler SW
Protokollführung: Günther Hermann SW Bremen
Referent: Torsten Schulz TBS Dortmund

Am Forum nahmen mehr als 20 BR-KollegInnen aus den unterschiedlichsten Stadtwerkebereichen teil; Bremen, Braunschweig, Hagen Wilhelmshaven, Hildesheim, Essen, Kiel, Flensburg, Stuttgart, Dresden, Erfurt, Bremerhaven, Nürnberg, Duisburg, Hannover, Frankfurt, Schwerin…

Kollege Torsten Schulz, der am gestrigen Tage vorab im Plenum das sehr umfangreiche und komplexe Thema der “Integrierten Systemlandschaften” vorstellte, erläuterte im Forum wesentliche Schwerpunkte, die für die betriebliche Praxis von Bedeutung sein können. Darüber ergab sich sehr schnell eine rege Diskussion über Ansatzpunkte für die Gestaltungsnotwendigkeiten aus Arbeitnehmersicht.

Im folgenden wollen wir versuchen, wesentlich Diskussionsinhalte wiederzugeben:

Fragen aus dem Forum:

  • aktuell bei integrierten Systemen in den Prozessen… …Zählerwesen und Ablese (System Argos) sowohl im kaufmännischen Bereichen z. B. im IS-U-Umfeld einschließlich im gewerblichen Bereich der Instandhaltung im R/3 Inst und IS-U Bereich
  • …Mitarbeiter-/Führungskräfteportale etc. und multifunktionaler Dienstausweis mit biometrische Daten im HR-Umfeld
  • Arbeits- und Auftragssteuerung über unterschiedliche Linienaufgaben und funktional abgetrennten Systemen hinweg durch – Systemintegrationen auf der Arbeitsprozessebene z. B. Workflow, Portale und BW – im neuen SAP-Release ERP 2006 und Netweaver; gerade hier sind noch weitgehend “unbekannte” praktische Prozessintegrationen möglich……im neuen SAP-Release sind Prozessdesign mittels “Virtual Composer” über die integrierten SAP-Module einschl. Portale möglich bei einer zunehmenden Anzahl von “intelligenten” online-Verbindungen zu den Fremdsystemen …auch die Entkoppelung von Arbeit und Freizeit wird insbesondere durch die zunehmende Integration mobiler Endgeräte und systemgestützte Prozessintegration betrieben
  • Die Bedeutung bzw. Komplexität und auch Unübersichtlichkeit von Berechtigungssystemen nimmt zu, während eine Transparenz darüber, “wer” “was” in den integrativen Systemen machen darf abnimmt……zudem werden die “Integrierten Systemlandschaften” werden zunehmend gesteuert über Prozess-, Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten-Kennzahlen
  • Neue Entwicklungen innerhalb bestehenden Programmen, Eckpfeiler, MB (Mitbestimmung)
  • Datenschutzthema- Datenschutzleitfaden SAP ERP von über 150 Seiten, über Internet ab Jan/Feb.08 abrufbar und zwar unter SAP-REVIS.de
  • Wo/wie kann man MB regeln, Auswertungen, was läuft da im Hintergrund ab?
  • Wer schützt uns vor dem Netzwerkadministrator?
  • Was gibt es bei uns im Unternehmen?
  • Was ist die Zukunft? Was ist zu regeln?
  • Multifunktionaler Dienstausweis?
  • Mitarbeiterbezogene Auftragsrückmeldungen, wie zu regeln?
  • Trennung Netz und Vertrieb, verschiedene Programme erforderlich?

Mit drag and drop zu Dreck und Hopp?
Die ganzheitliche Wertschöpfungskette wird bei Vermeidung von Systembrüchen (also Wegfall von “manuellen” Arbeitstätigkeiten) als Geschäftsprozess systemintegrierend moduliert, organisiert, gemessen und überwacht.

Aus den Fragen wurden vier Themenkreise zusammengefasst:

  • Geschäftsprozessintegration – Neuentwicklungen
  • Datenschutz
  • Schutz BR/Mitarbeiterauswertungen
  • Betriebsvereinbarungen

Die obigen Themenkreise werden im Forum diskutiert und folgende Aussagen werden im Einzelnen dazu festgehalten:

  • Prozessintegration gibt/gab es schon immer! Und geht ständig weiter… Geschäftsprozesse werden in der EDV entwickelt und müssen dann umgesetzt werden und nicht mehr umgekehrt (man braucht kein qualifiziertes Personal mehr für die Anwendungen) Stichwort= Modulierungstool sprich Baukastensystem.
  • Es gilt zunehmend, Mitbestimmungseinfluss auf die Gestaltung von Geschäftsprozessen (Arbeitsorganisation und Arbeitssteuerung) zu erlangen, da die integrierten IT-Systeme nicht mehr in abgegrenzten Funktionsbereichen “ablaufen”.
  • Berechtigungen waren früher getrennt, dies ist jetzt nicht mehr möglich (im SAP Net Weaper = Systeme sind alle miteinander integrativ verbunden)
  • Leistungs- und Verhaltenskontrolle = wo sind personenbezogene Daten in den Systemen (SAP weiß es nicht?), es gibt kein Tool um diese Daten abzufragen (laut Datenschützer Klaus Argut)  – wie kann ich L + V- Kontrolle  erkennen, es werden Geschäftsprozesse optimiert und nicht mehr die Mitarbeiterdaten sind klassifizierbar!
  • Positivliste – wo sind L + V – Daten erforderlich für welche Geschäftsprozesse?  Dafür gilt es Regeln zu schaffen (neuer Ansatz?), die dem BR MB sichert.
  • MB bei Gestaltung bei Geschäftsprozessen einfordern, Druckmittel sind die bestehenden alten BV zur L + V- Kontrolle, Einstieg auch über § 90 BetrVG, sowie entlang der umfassenden Informations- und Beratungsrechten !

Wie mit “Integrierten IT-Systemen” in Zukunft umgehen (?) – die vorhandenen Rahmenbetriebsvereinbarungen zu DV/IT-Systemen weiterentwicklen zu:

“Prozessorientierte BV” – ein neuer Weg?

Praktische Vorgehensweise wäre z. B. die “harte Mitbestimmung” bei der Leistungs- und Verhaltenskontrolle (nach § 87, 1, 6 BetrVG anwenden, um einen Einstieg zur MB über Arbeitsorganisation mittels Kennzahlen zu erhalten – wie es sich bei aktuellen systemintegrierende Anwendungen wie Zählerwesen/-instandhaltung oder HR-Workflow/Portale-Anwendungen anbieten würde.

Hierbei gilt es, Schutzrechte einbauen und beachten wie auch z.B. Gesundheitsschutz § 87, 1 (6). die alte Form ist nicht mehr zeitgemäß, neue flexible BV – Beispiel “Telefonvereinbarung” ist heute eher eine Regelung zum Thema “Kommunikation”…

Die BV muss auf den Betrieb passen, ggf. dynamische BV, flexibel und anpassbar, den Rahmen beschreiben bzw. den Rahmen regeln, verankern von notwendigen Informationen, auf Änderungen, Ergänzungen hinweisen – die immer vom Arbeitgeber kommen müssen.

Was gehört denn so alles in eine prozessorienteierten RBV…?

  • Prozessgestaltung/Veränderung von Arbeitsabläufen und BR-Beteiligung
  • Öffnung zur Einbeziehung von betroffenen Mitarbeitern
  • Mitbestimmung bei Arbeitsorganisatorischen Maßnahmen
  • Mitbestimmung bei arbeitssteuernden Prozess-, Bearbeitungs- und Mess-Kennzahlen
  • Qualifizierung, Ergonomie, Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Datenschutz und Datensicherheit als integrativ abzuarbeitende Rahmenbedingungen
  • Festschreibung von leistungs- und verhaltensbezogene allgemeinen Zwecksetzungen bezogen auf Prozessgüte und jenseits personenbeziehbarer Fokussierung
  • Rahmenbedingungen zur Entkoppelung von Arbeit und Freizeit
  • Verbindliches Beteiligungsverfahren in Form von parallel zur Einführung abzuarbeitende “Checklisten” zur Sicherung der RBV-Regularien, der Mitbestimmung auf Basis vereinbarter Meilensteine
  • Dokumentationsrahmenbedingungen
  • usw. usf. – alles geht ja schließlich weiter… …von den konkreten Einzelbetriebvereinbarungen über “erste” Rahmenbetriebsvereinbarungen hin zu den modularen “Prozessorienteierten Rahmen BVs”… Glück auf.